vom Messdiener zum König – 30 Jahre Schill‘sche
(Festheft 2016)


Die Schill´schen Offiziere im Gründungjahr 1986

Vom Messdiener zum König… Oder die Perlenhochzeit von 13 Brüdern Es war einmal vor langer Zeit, da nannte man die Schill´schen Offiziere noch „Messdienergruppe“ und ließ sie rosa Elefanten vor sich her tragen. Es begab sich also im Jahre des Herren Anno 1986, als man nach Höherem strebend die erste Jungkönigswürde erlangte – Volker Mandelartz. Da dieser Umstand nicht nur eine neue Herausforderung
darstellte, sondern die Mitglieder fest zusammenschweißte, wurden die Dinge plötzlich anders. Mit viel Unterstützung durch den Vorstand der Bruderschaft, Herrn Oberpfarrer Rottleb, den Grünen Offizieren


Schill´sche mit einem GRÜNEN Freund!

 und weiteren Gönnern und Freunden des Sommerbrauchtums wurde es dann auch möglich, eine vernünftige Gruppe zu bilden. So dachten damals alle.


Erstes existierende Bild der Schill´schen Offiziere beim Sonntäglichen Frühstück im Hause des Präses Herrn Oberpfarrer Rottleb 1986.

Wir erreichten über viele Hürden eigentlich alle Ziele, außer dem Einen: „Vernünftig“ zu sein. Und genau
das macht die Gruppe aus. So fügten sich in den Jahren nahtlos immer weitere ehrenvolle Ämter an.
 

Bis heute sind daraus vier Jungkönige, acht Ritter, 


1986
Ritter Harald Rütten Jungkönig Volker Mandelartz  Ritter Reiner Jennissen



1989
Ritter Thomas Merbecks  Jungkönig Michael Münster Ritter Gerd Wilms


1990
Ritter Volker Mandelartz Jungkönig Harald Rütten Ritter Reiner Jennissen


1992
Ritter Frank Rober  Jungkönig Gerd Wilms Ritter Thomas Mebecks

ein Pappnasen-Ordensträger, ein Schützenkönig, drei Minister,


2005
Minister Harald Rütten Schützenkönig Ralf Lennartz Minister Volker Mandelartz


 

ein Prinz-Karneval, ein zweiter und anschließend daraus ein erster Brudermeister,

ein Schriftführer und ein 2. Geschäftsführer geworden.

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre wechselten wir also den rosa Elefanten gegen die traditionelle Uniform
des Freicorps des Major von Schill aus dem Jahre 1809, lernten unsere Frauen kennen und ließen uns vom Ruf des Willi Kempers: „Wir brauchen neue Mitglieder“ animieren, insgesamt 21 Mitglieder zu zeugen.

Nun soll heute die Rede sein von 30 Jahren. 30 Jahre die nicht auf ein Blatt Papier passen. Es hat sich Vieles zugetragen – es hat sich Vieles verändert, eigentlich ist das Einzige, was immer gleich geblieben ist, unser Kassierer!


Beschränken wir uns hier nun auf das Wesentliche, auf die Menschen und ein Motto: „Bruder sein ist mehr“. Auch wir haben etwas länger gebraucht den wahren Hintergrund zu verstehen.
Es ist viel mehr als nur ein Satz oder ein Motto - es ist eine Philosophie.

Natürlich trugen wir sie auch nach Hause und das Ergebnis war selbst für uns erstaunlich. Prompt entstand eine Schill´sche-Kids-Gruppe.

 Aber damit nicht genug: Über die Kindergruppe kamen dann unsere Frauen auf den Geschmack und haben getreu dem Motto „Schwester sein ist noch mehr“
eine Klompengruppe gegründet. 12 Frauen die sich einig sind –Brüder, ihr wisst wovon wir reden!
Jedenfalls war das Gruppenziel damit im Grunde erreicht: Eine Bruderschaft funktioniert halt am besten mit der gesamten Familie. Die üblichen Tages- oder auch „mehrtägigen Tagestouren“ in all Ihren
Erscheinungsformen unternehmen also nicht nur die Männer, sondern im gleichen Maß auch die Frauen. Wohl demnächst auch unsere Kinder..?


Familienfeste und Gruppenausflüge gehören natürlich auch zum Schill´schen Leben dazu!




Es hat in den Jahren natürlich eine Menge phantastischer Augenblicke gegeben aber leider mussten wir auch schlimme und unendlich traurige Erfahrungen machen. Der viel zu frühe
Tod von Dirk Wendler im Jahre 1996 hat uns alle sehr getroffen. Wir werden Ihn nie vergessen.


Auch die diversen privaten Hürden, die sich im Laufe eines jeden Lebens zwangsläufig ergeben, hat die Gruppe gemeistert.

Interessanterweise lässt sich feststellen, so wechselhaft die Geschicke der Schill´schen Offiziere auch sind, so stetig und nachhaltig sind deren Leistungen. Weniger beim Repräsentieren oder sich feiern lassen, viel mehr wenn es um das Arbeiten geht, fühlen sie sich angesprochen.

Unvergessen sind Jennos Musikalische einlagen!

Wir sind stolz, auch nach 30 ereignisreichen Jahren noch sagen zu können:
Bruder sein ist mehr….(Ja-ja, Schwester noch mehr…) aber glaubt nicht, wir gehen jetzt mit einem Silberkränzchen im Haar nach Hause…verlasst Euch drauf: Wenn die Schill´schen kommen, die Arbeit erledigt, die Sonne untergegangen, die Feier zu Ende ist und Ihr müde nach Hause geht, dann wisst Ihr,
was passieren wird...dann bringen wir Euch nach Haus!
So sei es!


Und gegen die ersten grauen Haare, gibt es ja so das ein oder andere Mittelchen.

Wir danken Euch allen für die letzten 30 Jahre und wünschen Euch von Herzen viel Kraft, uns auch die nächsten 30 Jahre noch auszuhalten.
 

Die Schill´schen Offiziere 1986 im Jahre des Herrn 2016.

Und jetzt noch etwas zur Geschichte der Schill´schen!


Der preußische Offizier Ferdinand von Schill wurde am 6.1.1776 in Wilmsdorf bei Dresden geboren. Er trat als Kavallerist in die preußische Armee ein und machte sich 1806 in der Schlacht bei Jena einen Namen als unerschrockener Kämpfer. Er wurde zum Major befördert und erhielt den höchsten Kriegsorden.

Schill wollte nun seinen Ruhm dazu nutzen, einen Volksaufstand zu entfachen, um damit den zögernden preußischen König mitsamt Heer, sowie Österreich in den Krieg gegen Frankreich zu bewegen. Doch niemand ergriff offen Partei für ihn und sein Korps. Er bot an, das Unternehmen abzubrechen und alle Schuld auf sich zu nehmen. Doch seine Offiziere gaben einstimmig die Erklärung ihm freiwillig in Glück und Unglück zu folgen.
Am 25.05.1809 erzwang Schill den Zugang zu dem unter französischer Herrschaft stehenden Stralsund, sechs Tage später griffen 6.000 Dänen, Holländer und Franzosen unter der Führung des franz. Generals Gratien die 1.500 Mann starke Freischar aus Freikorps von Schill, Rügen´scher Landwehr und schwedischen Soldaten an. Schließlich drangen die Franzosen in Stralsund ein und ein erbitterter Häuserkampf entbrannte in dessen Verlauf Ferdinand von Schill im Straßenkampf fiel. Sein Leichnam wurde der Uniform beraubt und anschließend geköpft. Auf franz. Befehl wurde Schill ohne Sarg und Segen auf dem Militärfriedhof Stralsund verscharrt, seinen Kopf überreichte man in Weingeist gelegt König Jerome, dem Bruder Napoleons. Ca. 600 Soldaten aus Schills Freiwilligenkorps wurden bis zur Begnadigung zu schwerer Galeerenarbeit verurteilt (1813 erfolgte eine Begnadigung), 14 weitere wurden willkürlich ausgewählt und vom 18.-22.07.1809 in Braunschweig hingerichtet. In deren Grab wurde Schill's Kopf am 24.09.1837 beigesetzt.

11 Offiziere aus Schills Korps wurden nach Wesel überführt, hier vor ein Kriegsgericht gestellt und am 16.09.1809 auf den Lippewiesen erschossen. Der Überlieferung nach starben sie mit einem Hochruf auf den König und Preußen.

An dieses Ereignis erinnern heute das Städtische Museum - Abteilung Schillkasematten, das sog. Schill-Denkmal sowie einige nach den Offizieren benannte Straßen.

Die elf Schillschen Offiziere

Leopold Jahn
Ferdinand Schmidt
Friedrich Ferdinand Galle
Carl Magnus von Wedell
Heinrich Gustus Albrecht von Wedell
Adolph von Keller
Constantin Wilhelm von Gabain
Hans von Flemming
Friedrich Felgentreu
Carl von Keffenbrinck
Carl Friedrich von Trachenberg

 

Letzte Aktualisierung: 27.08.16  
Michael Pohl
Bilder: Archiv der Bruderschaft und Schill´sche Offiziere