Brudermeister Heinrich Harzen

von 1954-1957 2.Brudermeister

von 1960-1969 1.Brudermeister

und von 1970-1974 2.Brudermeister

Ein Brudermeister in schwerer Zeit
Heinrich Harzen
Viele Rheindahlener hielten ihn für einen Ur- Rheindahlener. Das war er aber nicht. Er kommt aus Ahrweiler. Mitte der 30er Jahre landet er eher durch Zufall in Rheindahlen, hier lernt er seine spätere Frau Luise Fongern kennen, aber auch die Firma Lüttgen, der er sich sein Leben lang aufs engste verbunden fühlte.
Mit seiner Frau hat er zwei Kinder Heinz-Willi und Marieluise. Der Junge stirbt beim letzten Bombenangriff auf Rheinahlen. Heinrich Harzen stirbt kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres im Oktober 1999.

Wer war dieser Heinrich Harzen, dem die Bruderschaft den Titel „Ehrenbrudermeister“ verlieh? Er war ein Mann aufrechter Gesinnung, ehrlich, zu jedem freundlich, konservativ - bewahrend, sehr glaubwürdig.

In schwerer zeit für die Bruderschaft war er für sie ein Glücksfall. Harzen war Buchdruckermeister, für die Firma Lüttgen war er in den 50er und 60er Jahren ein wertvoller Mitarbeiter, der mit seinen Chefs stets ein freundliches, fast schon familiäres Verhältnis hatte. Und wer bei Lüttgen arbeitete, war auch immer aufs engste verbunden mit dem Fußball, dem Fußball beim SC Rheindahlen. So war klar, dass er sich über viele Jahre im Vorstand engagierte, besonders die Jugendarbeit hatte es ihm angetan, gemeinsam mit dem unvergessenen Walter Guse ging er den Jungen nach und gab ihnen Raum für diese wunderbare Freizeitbeschäftigung.
Lüttgen hatte aber auch etwas übrig für die Schützenbruderschaft St. Helena. So war der langjährige und noch vielen in Erinnerung bleibende Karl Bongartz hier beschäftigt. Klar, dass sich mit Heinrich Harzen ein wackerer Streiter für die Anliegen der Bruderschaft fand. Dabei war Heinrich Harzen familiär vorbelastet. War doch sein Schwager Clemens Fongern von 1930 bis 1958 1.Brudermeister. Im Jahre 1959 löste ihn dann Heinrich Harzen ab, nachdem er schon von 1954 bis 1957 sein Stellvertreter war. Gemeinsam mit Fritz Liffers führte er dann die Bruderschaft durch eine schwierige Zeit, bis 1969. Danach machte er noch bis zum Jahre 1974 als 2. Brudermeister weiter.

Die 60er und 70er Jahre waren für ein fruchtbares Arbeiten der Bruderschaft nicht einfach. Es war die Zeit, in der es mit der Wirtschaft im Lande bergauf ging, der Lebensstandart wurde immer besser, die Menschen entdeckten den Urlaub in fernen Ländern, alles, was neu war, hatte eine große Anziehungskraft, das Alte dagegen wurde etwas schief angekuckt. Dies machte sich ja nicht nur im Leben der einzelnen Bruderschaft bemerkbar, auch in anderen Bereichen musste Altes dem Neuen weichen, Dies erfuhr auch Rheindahlen ganz bitter, es sei nur darauf hingewiesen, wie viel alte Bausubstanz abgerissen und durch so genanntes Modernes ersetzt wurde. Das beste Beispiel bietet hierfür der Marktplatz in Rheindahlen. In der "Regierungszeit" von Heinrich Harzen fiel der Zusammenschluss mit der Kichspiels St. Helena Bruderschaft im Jahre 1963.

Die Einnahmen der Bruderschaft waren mehr als bescheiden, der Mitgliederbestand zählte in manchen Jahren knapp über hundert Schützen. Heute sind es fast 900.

Was zeichnete diesen Heinrich Harzen besonders aus? Fragt man z.B. Willi Kemper, der später dann auch die Bruderschaft führte, oder Johannes Kempers, der lange Zeit der Geschäftsführer war, war es der Blick für junge Leute, die man in die Vorstandsarbeit brachte. Und wer traute den jungen schon viel zu? Gerade Ende der 50er gab es zwischen Jung und Alt zum Teil tiefe Gräben, es war die Zeit der APO unter ihrem Führer Rudi Dutschke. Vorbehalte gab es allenthalben, hüben wie drüben. Heinrich Harzen setzte auf die Jugend, vertraute auf ihre Arbeit und unterstützte sie. Zwar konnte auch er nicht immer über seinen Schatten springen und legte sich bei Neuerungen quer. Aber er sprach mit den Menschen. Wenn man die besseren Argumente hatte, war er stets bereit umzudenken.

Wichtig war für ihn auch, Geschichte und Geschichten der Bruderschaft festzuhalten, Heinrich Harzen hatte eine gute Feder und konnte manches aus der Geschichte der Bruderschaft in Archiven wieder finden. Einen hervorragenden Mitarbeiter hatte er hierbei in Willi Kempers.

Wie sehr ihn die Bruderschaft schätzte, konnte man dann bei seinem 80. Geburtstag sehen: ein großer Fackelzug holte ihn an seinem Hause ab und brachte ihn zur Alten Post, wo er dann mit seinen Schützen feierte.

Die Bruderschaft war sein leben, diese ist Stolz auf sein Lebenswerk.

Charly Jansen
(Artikel aus dem Festheft der St. Helena Schützenbruderschaft u. Kirchspiel e.V.1433 aus dem Jahr 2009)
 

1. Brudermeister Helmut Peschen und Ehrenbrudermeister Heinrich Harzen

Letzte Aktualisierung: 29.07.11                                                                                                                                                                    
Michael Pohl